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Montag, 26. April 2004

Unbekanntes Wesen Gehirn


Cover (hb) Was ist das menschliche Informationssystem? Spätestens seit der Euphorie um die erstmalige Entzifferung der menschlichen Erbanlagen im Jahr 2000 würde die Mehrheit wohl eben dies antworten: das humane Genom und damit drei Milliarden Informationsbausteine in Form der zugrundeliegenden Basenpaare. Wir wissen heute schon wieder etwas mehr als vor vier Jahren. Doch was wissen wir über das Gehirn, unserem zweiten Informationssystem? Das Ergebnis ist so einfach wie ernüchternd: Fast nichts. Nach über 3.000 Jahren der Hirnforschung ist das Gehirn immer noch eine „Black Box“.

Genau in dieses Dunkel wollen die beiden Autoren, Günter Gassen, der umtriebige Wissenschaftler aus Darmstadt, Beauftragter für Biotechnologie der TechnologieStiftung Hessen, und mehrfacher Initiator und Mitgründer junger Biotech-Unternehmen, sowie seine Schülerin, Sabine Minol, Licht bringen. Denn 3.000 Jahre Hirnforschung haben nicht Nichts hinterlassen. Durch die Jahrhunderte hinweg gibt es eine Vielzahl von Experimenten, erste Hyroglyphen und die Darstellung des Wortes „Gehirn“, Vivisektionen, also der Forschung am lebendigen Leibe, uns heute kurios anmutenden Interpretationen von hohlwandigen Nervenfasern bis hin zu modernen Untersuchungsmethoden mit nicht invasiven Methoden der Hirnforschung mit Hilfe der Computertomographie.

Man erfährt sehr viel über das Hochleistungsorgan Gehirn, nicht nur dass es etwa 1.300 Gramm wiegt und wie seine Anatomie aussieht. Neben der reinen Zustandsbeschreibung erfährt der Leser viel über die Nervenzellen, wie sich das Gehirn entwickelt, wie Sinneswahrnehmungen funktionieren, die Sprache funktioniert, was Biorhythmen sind und warum sie mit dem Gehirn zu tun haben, wie das Lernen und das Gedächtnis trainiert werden können, aber leider auch, dass es die neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson gibt. Alles ist reich bebildert und mit vielen, Wissenswertes enthaltenen Tabellen ausgestattet: von der schematischen biochemischen Reaktionsdarstellung über historische Zeichnungen und Photographien bis hin zu faszinierenden wissenschaftlichen Mikroskopaufnahmen. Das Werk ist ein Text- und Bilderbuch gleichermaßen.

Fazit:
Ein Wochenende – und sei es auch das verlängerte Osterwochenende wie in meinem Fall – reicht einfach nicht aus, um alle von Günter Gassen und Sabine Minol auf 176 Seiten zusammengetragene Fakten zu unserem unbekannten Wesen und Freund, dem Gehirn, zu lesen, geschweige denn zu begreifen und zu verstehen. Das mit viel Liebe zum Detail geschriebene Werk ist ein richtiges Nachschlagewerk, eines zum Stöbern, Schmökern und Verlieben. Man greift gern zu, schlägt nach und bleibt irgendwo hängen und beginnt seine Gedanken zu vertiefen und zu grübeln, warum man gerade dass denkt, was man denkt und wer da eigentlich in einem denkt oder sogar vielleicht nachdenkt.

Nur ein Wermutstropfen fällt in den Kelch des Buches: einen lebendigen und faszinierenden Vortrag vom Initiator des Buches, Günter Gassen, kann es nicht wirklich ersetzen. Beides zusammen daraus wird ein Schuh. Also ruhig mal im Internet nachschauen, wo er uns das nächste Mal in seinen Bann zieht.

Hier geht es übrigens zum Bestellschein: hier.

Unbekanntes Wesen Gehirn
Günter Gassen / Sabine Minol
Media Team, Darmstadt 2004
ISBN 3-932845-71-4

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